Seit 2022 prägte eine vielfältige Zwischennutzungslandschaft aus Kunst, Kultur, Bildung und Sozialem die Alte WU. Das ARCHIV DER ANEIGNUNG dokumentiert, wie Nutzer:innen die Räume des Gebäudes für eigene Zwecke umnutzen, umcodieren und zweckentfremden. Ein ehemaliger Hörsaal wird zum Tanzstudio, die Mensa zum Kulturzentrum verschiedener Initiativen, ein altes Gewächshaus zum Lebensraum für Papageien.
„Aneignung“ bezeichnet in diesem Kontext die Tätigkeit, vorhandenen Räumen durch Vorstellungskraft und den Einsatz eigener Ressourcen eine neue Funktion zu geben. Die kreativen Praktiken der Nutzer:innen zeigen ein Gebäude, das kein starres Nutzungskorsett vorgibt, sondern Räume für dynamische Veränderung und Anpassung eröffnet. Die Bedeutung der Räume entsteht dabei erst im Prozess ihrer (Um-)Nutzung.
Das ARCHIV DER ANEIGNUNG hält die (Zwischen-)Ergebnisse dieser Umnutzungen fest. Im Rahmen der Vienna Design Week veranstalteten das Kollektiv Raumstation, Daniel Kalkhofer, Evamaria Müller und studio pari pari offene Workshops und Erkundungen über das Gelände. Die Teilnehmer:innen lernten die Nutzer:innen der Alten WU in ihren Räumen kennen und dokumentierten deren Aneignungspraktiken mit unterschiedlichen Methoden, die anschließend im Archiv gesichert wurden. Das Archiv ist selbst ein Teil der Aneignung: Die Hütte, welche das Archiv beherbergt, wurde im Laufe der Zeit von verschiedenen Künstler:innen umgestaltet und trägt so Spuren unterschiedlicher Eingriffe in sich.
Anlass für das ARCHIV DER ANEIGNUNG ist das nahende Ende dieser lebendigen Zwischennutzungsphase: Zum Jahresende 2025 müssen die Nutzer:innen das Gebäude verlassen, um einem neu entstehenden Campus Platz zu machen. Ob und wie die bestehenden Gebäude Teil dieses neuen Campus werden, hängt von der Kreativität und dem Mut der Gestalter:innen sowie der Entscheidungsträger:innen der Pläne des neuen Campus ab.
Die bisherigen Nutzer:innen der Alten WU zeigen jedenfalls, wie sich selbst herausfordernde Räume mit minimalen Eingriffen ökologisch wie ökonomisch effizient sinnvoll nutzen lassen. Die im ARCHIV DER ANEIGNUNG gesammelten Praktiken bewahren einen wertvollen Wissensschatz darüber, wie Räume aus dem Bestand heraus weiterentwickelt werden können. Ziel des Archivs und seiner Archivar:innen ist es, dieses Wissen zugänglich und nutzbar zu machen – als Beitrag zu einer ressourcenschonenden Stadtentwicklung, die die Qualitäten des Bestehenden in den Mittelpunkt stellt.







