Unsere Forderung an die Jury des Realisierungswettbewerbs Campus Althangrund.
Ihr wollt euch für den Erhalt der Alten WU einsetzen? Dann schreibt jetzt an die Jury-Mitglieder eine Email. Mit unserer Mailvorlage erreicht ihr direkt das gesamte Preisgericht der 1. Stufe des Wettbewerbs.
von Kollektiv Raumstation
Projektbeschreibung: Unsere Forderung an die Jury des Realisierungswettbewerbs Campus Althangrund.
Betreff: Meine Forderung: Transformation statt Abriss und Neubau am Campus Althangrund!
Sehr geehrte Preisrichter:innen im Realisierungswettbewerb „Campus Althangrund“,
aufgrund der näher rückenden Entscheidung der ersten Wettbewerbs-Phase Ende Februar, melde ich mich persönlich bei Ihnen.
Der neue Bildungscampus am Althangrund hat das Potenzial, zu einem echten Pionierprojekt der Bauwende zu werden. Doch er hat auch das Potenzial, die gestrige Baupraxis des Abreißens und Wegwerfens fortzuschreiben. Mit Letzterem geht eine massive und verantwortungslose Ressourcenverschwendung, der Verlust von soziokulturellen Freiräumen und der Wegfall ikonischer Baukultur des letzten Jahrhunderts einher.
Der größte Bildungsbau Österreichs betrifft uns alle und hat auch Auswirkungen auf viele weitere Generationen. Deshalb richte ich folgende Forderungen an Sie:
Transformation des Bestands der Alten WU, anstelle eines Abbruchs und Neubaus
Der Erhalt von 40% der Tragstruktur (wie sie in der Wettbewerbsausschreibung als Mindestmaß benannt wird) betrifft lediglich die Überdeckelung des Frachtenbahnhofs. Dies ist somit nur das Minimum für den Erhalt des Bahnverkehrs und keine zeitgemäße Herangehensweise. Bestandserhalt bedeutet eine massive Einsparung von CO2 und die Reduktion von Abfällen. Beim Umbau des Franz Josefs Bahnhofs konnten laut Werner Sobek rund zwei Drittel der Emissionen gegenüber einem vollständigen Neubau eingespart werden. Das waren mehr als 18.000 Tonnen CO2, bei rund 60.000 Quadratmetern Nutzfläche. Der neue Campus Althangrund und übrigens auch der bestehende Campus umfasst rund 90.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Fläche ist also da. Sie muss nur richtig genutzt, adaptiert und intelligent weiterentwickelt werden.
Sicherung des Fortbestands von Räumen für Soziokultur auf dem Areal des neuen Bildungscampus
Seit vielen Jahren ermöglicht das Kulturzentrum 4lthangrund als Netzwerk von 35 unterschiedlichen Gruppen gesellschaftlichen Austausch, Vernetzung, gemeinsames Lernen und Gestalten. Angesichts steigender Mieten und einem zunehmenden Verwertungsdruck unserer Räume wird der Betrieb von soziokulturellen Einrichtungen immer herausfordernder. Die Weiternutzung der alten WU als Bildungscampus ist zu begrüßen, doch ein lebendiges Areal lebt von gemischten Strukturen. Für unser demokratisches Zusammenleben ist es essentiell, bei der Transformation auch bezahlbare Räume für langfristige soziokulturelle Nutzungen zu schaffen.
Transparenz und Mitsprache im Planungs- und Bauverfahren
Die Zukunft öffentlichen Eigentums darf nicht ohne öffentliche Debatte entschieden werden. Ich fordere daher auch für den Realisierungswettbewerb Campus Althangrund eine transparente Diskussion und demokratische Entscheidungsprozesse. Dass der Wettbewerb zum größten Bildungscampus Österreichs keinerlei Beteiligung der Öffentlichkeit vorsieht, ist ein gravierender Rückschritt. Im Rahmen einer Ausstellung und öffentlichen Veranstaltung sollen die Einreichungen der ersten Stufe bekanntgemacht und diskutiert werden. Zudem ist die Offenlegung sämtlicher Studien und Gutachten zur Bausubstanz relevant als Grundlage für ein sinnvolles Mitdiskutieren und Mitentscheiden der Zivilgesellschaft.
Keine Milliarden-Verschwendung durch Abriss und Neubau in Zeiten von Budgetknappheit
Zumindest eine Milliarde Euro soll der Neubau kosten. Das aktuelle Konzept folgt damit einer überholten „Koste es was es wolle“ Politik. Der soeben fertig gestellte Umbau am Franz Josefs Bahnhofs hat gezeigt, dass mit überlegter Transformation ein riesiger Bestandsbau aufgewertet und vergrößert werden kann ohne großmaßstäblichen Abriss. Es braucht in Österreich und für Wien ein Pionierprojekt der Bauwende. Laut dem Architekten Johannes Zeininger reichen 300 Mio € für eine anspruchsvolle Transformation der Bestandsstruktur aus. Ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren materiellen und immateriellen Ressourcen ist dem Gemeinwohl geschuldet.
Die Weichen für die Zukunft stellen wir jeden Tag aufs Neue mit unseren Entscheidungen. Ich fordere Sie auf, verantwortungsvoll mit Ihrer Stimme in der Jury umzugehen und Einreichungen zu honorieren, die vorausschauende Lösungen anbieten.
Mit freundlichen Grüßen