(Zukunft statt Abriss für die Alte WU)

Zukunft statt Abriss für die Alte WU

Abriss kann kein "Leuchtturmprojekt für klimafreundliches Bauen" sein - eine echte "Klimareparatur" des Areals braucht Einbezug der Nutzer:innen. Stellungnahme zu den Planungen "Bildungscampus Althangrund" von Stadt, BIG und ÖBB in Wien

von Kollektiv Raumstation

Projektbeschreibung: Zukunft statt Abriss für die Alte WU

+++ English version below +++

Seit diesem Montag, den 18.3.2024, sind die Pläne für die alte Wirtschaftsuniversität in Wien öffentlich. Bundesimmobiliengesellschaft, ÖBB und Stadt haben ihre Pläne für den „Campus Althangrund“ präsentiert. Neue Nutzer:innen des Bildungscampus mit über 150.000 m² Nutzfläche sollen ab 2030 die Universität für Bodenkultur (BOKU), die Uni Wien, sowie weitere Schulen sein. Das Ganze soll ein „Leuchtturmprojekt für klimafreundliches Bauen“ werden, Flächen  entsiegelt und neue Verbindungen in die umliegenden Nachbarschaften geschaffen werden.

Bestandsentwicklung statt Abriss und Neubau

Es gibt da nur ein Problem: Für den neuen Campus ist der Abriss der erst 1982 eröffneten Wirtschaftuniversität geplant. Nur ein Rest von 40% der Tragstrukturen soll erhalten bleiben. Wie aber kann der Abriss und Neubau einer Universität ein „Leuchtturmprojekt für klimafreundliches Bauen“ sein? Vor dem Hintergrund der Klimakrise können wir uns einen solchen Umgang mit dem Bestand sowie die Emissionen und den Ressourcenverbrauch eines massiven Neubaus nicht mehr leisten. Ja, die „Klimareparatur“ eines solch komplexen Bestandsareals ist eine Herausforderung. Aber dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. Das wäre das wirkliche Leuchtturmprojekt: innovative Strategien zur Sanierung zu entwickeln – auch über den Althangrund hinaus.

Dafür gäbe es nicht nur wegen der Bauherr:innen BIG, Universität Wien und der Nachhaltigkeits-Uni BOKU beste Voraussetzungen. Es gibt bereits eine lebhafte Debatte über Alternativen vor Ort, wie etwa mit den Aktivitäten des Kollektivs Raumstation u.A. im Rahmen des Urbanize-Festivals, der Verfasser:innen der „Allianz für Substanz“, des Architekturbüro joyjoy, des Entwurfsstudios des Instituts für Städtebau der TU Wien oder der Ausstellung „Sorge um den Bestand“ der Plattform Baukulturpolitik.

Daher geben wir uns nicht mit der Erklärung im Nebensatz zufrieden, dass „große Gebäudebereiche aus technischen Gründen abgebrochen werden müssen“: Wir fordern Transparenz über die Studien, die dieser Entscheidung zugrunde lagen und eine öffentliche Debatte.

Raum für Stadtkultur

In 13 Jahren Zwischennutzung hat sich darüber hinaus eine vielfältige Landschaft kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Nutzungen entwickelt und fest im Bezirk verankert. Vom Papageienschutzzentrum bis zum Tanzstudio, von Künstler:innen bis zum Ankunftszentrum für Geflüchtete, von Nachbarschaftsinitiative bis jungem Architekturbüro: Das Areal bietet Platz für diejenigen, die in Wien aufgrund steigender Mieten und Verwertungsdruck sonst keinen Raum mehr finden.

Wir fordern daher auch: Die heutigen Nutzer:innen und Nachbar:innen müssen in die Planungen einbezogen werden. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass diejenigen auch morgen noch da sind, die die Qualität einer Stadt ausmachen – statt die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und monofunktionale Strukturen zu schaffen.

Gemeinsam eine Zukunft für den Bestand entwickeln

Das Areal bedarf einer Sanierung und Integration in die Nachbarschaft. Wir freuen uns, dass mit einem Bildungscampus weiterhin eine öffentliche Nutzung angedacht ist. Doch dies kann nicht mit einem Abriss des Bestands beantwortet werden.

Daher sagen wir: Entwicklung: Ja! – Abriss: Nein.
Lasst uns mutig sein und neue Wege ausprobieren: Die Zukunft der Althangrunds geht nur gemeinsam.

Noch ist nichts zu spät – wir sind dafür offen.

Future, not demolition for the former WU

Demolition cannot be a „lighthouse project for climate-friendly construction“ – real „climate repair“ of the site requires the involvement of users. Statement on the „Althangrund education campus“ plans by the city, BIG and ÖBB in Vienna

Last Monday plans for the future of the former economics university campus were officially announced. The Bundesimmobiliengesellschaft, the Austrian Railway and the City of Vienna presented their plans for a new „Campus Althangrund“. Future users of the campus were announced and will include BOKU University (University for Natural Resources and Life Sciences), the University of Vienna, and other schools. This undertaking is also supposed to become a „flagship project for sustainable building“, including the unsealing of land and the creation of new connections to surrounding neighbourhoods.

Redevelopment of existing building stock instead of demolition and new construction

But there is one problem: To build the new campus, the existing former University of Economics will be torn down. Only 40% of the load-bearing structure is supposed to be retained. How can a university’s demolition and consequent reconstruction as a university be a „Flagship Project for Sustainable Building“? In times of climate emergency, we cannot afford such an approach to dealing with existing substance, emissions, and use of resources. Yes, „climate repairs“ and the development of such a complex area are hugely challenging. But this is a challenge we must confront ourselves with. Facing this challenge could actually become a „flagship project“: developing innovative strategies for renovating such structures – strategies that could then be applied beyond Althangrund.

The foundation for such an approach is not only laid by the contractors BIG, University of Vienna and the University for Sustainability (BOKU). There already exists a lively debate about alternatives at the site – for example with current and past activities of Kollektiv Raumstation, joyjoy Architecture Studio, design studios from the Institute for Urban Planning at TU Vienna or the recent exhibition “Worry about the existing building stock” by Plattform Baukulturpolitik.

For this reason, we can’t accept the one-sentence justification that „large parts of the building have to be demolished due to technical concerns“. We demand transparency around the studies that underly the decision, and a public debate about it.

Space for urban culture

Over the past 13 years of interim use, a diverse landscape of cultural, social, and economic usages has been established and integrated into the surrounding neighbourhood. From the parrot-protection centre to a dance studio, from artists to an arrival centre for refugees, from neighbourhood initiatives to architecture studios: This complex has created a space for many different individuals and initiatives that have been pushed out of other parts of Vienna because of high rents and the pressures of space depletion.

This is why we demand that the current users and neighbours should be involved in any future development. This is the only way to ensure that those who create the appeal of a city will still be able to live in it tomorrow – instead of repeating the mistakes of the past and creating monofunctional structures.

Developing a future for the existing building stock together

The area is in need of renovation and integration into the neighbourhood. We are glad that with the planned educational campus, Althangrund will remain in public hands and use. But this cannot start with the demolition of the existing building.

That’s why we propose: Development: Yes! – Demolition – No.
Let us have the courage to tread new paths: creating the future of Althangrund together.

Nothing is definitive yet – we are available for it.